Hornussen 2003

Fotoalbum vo däm Event

Ein kurzer Einblick in die Entstehungsgeschichte des Hornussens

(zusammengestellt von Silvan Martinelli)

Allgemeine Ursprungstheorien von Schlagspielen

Leider kann heute aufgrund fehlender oder ungenauer Quellen nicht mehr festgestellt werden, ob alle heute noch gespielten Schlagspiele - dazu gehört nebst dem Hornussen auch Tennis, Baseball und Kricket (!) - von der gleichen Urspielform abstammen. Ein zweifellos schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass seit den 1950er Jahren keine Grundlagenforschung mehr betrieben wurde.

Ursprungstheorien zum Hornussen und artverwandter Spiele

Bezüglich Hornussen und seinen nächsten Verwandten im Wallis (Hirehöusene oder Tschäreten), Bündnerland (Hürnen, Gerla, Mazza und Pazzina) und Aostatal (Tsan) gilt es allgemein als gesichert, dass diese gemeinsame Wurzeln aufweisen. Dafür muss weit in die (Be)Siedlungsgeschichte zurückgeblendet werden: Das Emmental wurde ca. im 5. und 6. Jahrhundert von aus Süddeutschland vorstossenden germanischen Alemannen besiedelt. Das Emmental war also neues Siedlungsgebiet - ohne "Urbevölkerung" - und konnte durch seine Abgeschiedenheit länger als andere Regionen seinen alemannischen Charakter bezüglich Sitten und Brauchtum bewahren. Und zu einem dieser Bräuche gehört wahrscheinlich auch das Hornussen. Verfolgen wir den Zug der Alemannen weiter, so tauchen diese ca. im 8. Jahrhundert im Berner Oberland auf.

Wo sich also Alemannen oder Walser sesshaft niederliessen und in neu erschlossenen Gebieten abgeschlossener Landschaften ihre Traditionen pflegten, finden wir Urformen des Hornussens.

Am häufigsten wird die Meinung vertreten, dass das Hornussen von einem Kriegsspiel herrühre. Die rüde Sprache, die Tatsache, dass ein Kopf- oder Körpertreffer früher mehr Punkte einbrachte als ein normaler Treffer, die in vorderen Jahrhunderten oft vorgekommenen Schlägereien nach den Wettkämpfen (z.B. auch im Roman "Ueli der Knecht" von Jeremias Gotthelf) sind Anhaltspunkte für diese These.

Das Emmental und das Hornussen

Das Emmental kann für sich in Anspruch nehmen, dass es die einzige Region ist, welche es geschafft hat, dieses uralte Spiel in der Form des heutigen Hornussens in die Moderne hinübergerettet zu haben. Das Emmental und seine Bewohner mussten dafür aber lange kämpfen. Dabei kam den Hornussern wohl der ausgeprägteste emmentalische Charakterzug - nämlich die Hartnäckigkeit - zu Hilfe. Die weltliche und geistige Obrigkeit sahen es nämlich gar nicht gerne, wenn ihre Untertanen dem Hornussen frönten. Den Kirchenvertretern war es vor allem ein Dorn im Auge, dass einerseits die Tage des Herrn entheiligt und andererseits, nebst dem Hornussen auch noch getanzt oder musiziert wurde. Manchmal ging es dann halt auch ein bisschen weniger friedlich zu und her und die im Spiel Unterlegenen versuchten die Scharte dann mittels Anzettelung einer handfesten Schlägerei auszuwetzen und zu allem Übel floss häufig auch noch der Alkohol in Strömen (isch bi üs übrigens o so gsi... aber nume d'Biifahrer, natürlech! Dr Red.)!

Noch im Jahr 1886 (!) hielt es zum Beispiel die bernische Kirchensynode für angemessen, das Hornussen auf die Liste der zu verbietenden Sonntagsvergnügungen zu setzen.

Der Pfarrer von Lützelflüh, Albert Bitzius (besser bekannt unter seinem Schriftsteller-Pseudonym Jeremias Gotthelf): "Es ist wohl nicht bald ein Spiel, welches Kraft und Gelenkigkeit, Hand, Aug und Fuss so sehr in Anspruch nimmt wie das Hornussen". Nachdem um die vorletzte Jahrhundertwende auch die Kirche (das Berner Patriziat musste bereits im Jahre 1798 abdanken) ihren Widerstand aufgegeben hatte, stand dem Siegeszug des Hornussens nichts mehr im Wege.

Die Entwicklung ausserhalb des Emmentals

Allmählich fasste es auch in den anderen bernischen Regionen (Mittelland, Seeland und Oberaargau) Fuss, ebenso im solothurnischen und aargauischen. Viele ausgewanderte Berner sorgten später dafür, dass einzelne Hornussergesellschaften ausserhalb des engeren Einzugsgebiets gegründet wurden. Als Beispiele dafür seien die Hornussergesellschaften Zürich-Hard, Dietikon, Luzern, Malters, Basel-Helvetia, Liestal, Rothenbrunnen, Frauenfeld, St. Gallen, Gossau SG, Winterthur und Commugny-Coppet erwähnt.

Vom Nationalsport zum Spitzensport

Wichtige Eckpunkte in der Geschichte des EHV waren zum Beispiel die Schaffung einer technischen Kommission im Jahr 1957, der Beitritt zum Schweizerischen Landesverband für Sport im Jahr 1978 und die Einführung einer Schweizer Meisterschaft im Jahr 1992. Nebst der Schaffung von modernen und zukunftsgerichteten Verbandsstrukturen, trug auch die technische Entwicklung (vom Holz- zum Eisen- und Kohlefaserstecken) ihren Beitrag dazu bei.

Einige Anekdoten aus früheren Zeiten

ca. 1578 Erste bekannte Erwähnung des Hornussens beim satirischen Schriftsteller
Johann Fischart
1655 Wettspiel in Trub zwischen Langnauern und Trubern, alle Mitglieder der
Mannschaften werden namentlich erwähnt
1738 Erster verbürgter Hornusserunfall in Schangnau: Peter Bieri schlägt einen
misslungenen Streich, wobei ein Stück des zerbrochenen Steckens (Holz-
splitter) den Christen Gerber so unglücklich am Hals trifft, dass dieser nach
einer halben Stunde verblutet. Der Landvogt sichert sich ab, indem er den
Fall (wie bei Todesfällen üblich) den gnädigen Herren in Bern unterbreitet.
Diese erkennen aber, dass es sich um einen Unglücksfall handelt.
1840/41 Gotthelf beschreibt in seinem Buch "Ueli der Knecht" meisterhaft das Hor-
nusserspiel und dessen soziale Funktion. Er zeigt viel Toleranz für das alther-
gebrachte Spiel - ganz im Unterschied zu seinen Pfarrkollegen im 17.
und 18. Jahrhundert.
1852 Sumiswalder und Ersiger messen sich im Hornussen. Die Sumiswalder
bringen neue Stecken aus einem Stück Eschenholz mit eingespritzem Träf
mit, die Ersiger spielen noch mit dem zweiteiligen Stecken, der als Stiel ein
Tannenstämmchen und ein separates, d.h. loses Träf mit Schnüren und
Drähten aufweist. Die Überlegenheit der Eschenstecken zeigt sich in den
langen Streichen. Ersigen verliert und muss die "Uerti" (Verpflegung) über-
nehmen. Einem Ersiger gelingt es aber, einem Sumiswalder einen Stecken
zu stehlen - 2 Wochen später anlässlich der Revanche gewinnt dann
Ersigen und Sumiswald muss die "Uerti" bezahlen! Bim Zimisnäh (Mahl-
zeit) het du en eltere Sumiswalder troche gmeint: Die Ersiger si gar nid eso
Dummi, si chööi nit numen öppis lo mitloufe, ohne das mes merkt, si sige
de ouno chätzerisch gueti Lehrbuebe!

Hornussä mit de Bärner Chiubigigle

(von Daniel Bohnenblust)

Am Samstag, 14. Juni 2003 um 12:45 Uhr war es soweit - Die sportliche Delegation der Bärner Chiubigigle traf sich auf der Schützenmatte zum VBCG Event Hornussä. Das Wetter spielte einmal mehr mit und wir fuhren bei herrlichem Sonnenschein ins Emmental.

In Obergoldbach angekommen (Dänu Streit und Röbu Longoni wollten eine Abkürzung nehmen und kamen deshalb etwa 15 Minuten später an) wurden wir von Simon Schönholzer und seinen Hornusserkameraden vom Hornusserclub Obergoldbach in Empfang genommen. Nach einer kurzen Aufwärmrunde (das Bierli isch wieder mau wäutklass gsi) führte uns Simon in die Geheimnisse des traditionellen Hornussens ein. Begriffe wie "abtue", "Nouss", "Ries", "Strich" und "Schingle" waren nun für uns keine Fremdwörter mehr. Nach einer kurzen Demonstration der Hornusser von Obergoldbach waren wir an der Reihe. Jeder gelungene Strich (war eher selten der Fall) wurde natürlich von den BCG's bejubelt.

Beni Longoni mit seinen lautstarken Kommentaren sorgte wieder einmal mehr dafür, dass kein Missgeschick unerkannt blieb. Umso ruhiger wurde es, als er selber seine Hornusserkünste zum Besten gab. Die Weite seines Strichs will ich jetzt hier nicht bekannt geben. Zu den erfolgreicheren gehörten Dänu Streit und Habi. Wobei Habi natürlich noch von seinen Erfahrungen als ehemals aktiver Hornusser profitieren konnte. Nach unserem mehr oder weniger erfolgreich absolvierten Hornussertraining folgte der gemütliche Teil des Events. Salatbuffet, Fleisch vom Grill, Bierchen und da es mittlerweile zu Regnen angefangen hatte, blieb natürlich das Kafi-Fertig auch nicht weg.

Nach dem Essen kam einer auf die spektakulär geniale Idee, man könnte doch wieder einmal einen Jass klopfen. So liessen wir diesen Event mit einer gemütlichen Jassrunde mitten im idyllischen Emmental ausklingen, bevor wir zur legendären Steinbruchparty weiterzogen. Äs grosses Merci a Gälänsch, Simu Schönholzer und sini Hornusserkamerade - dä Event isch super organisiert gsi u o d'Verpflegig u d'Betreuig het nüt ds'Wünsche übrig gla. ÄS ISCH Ä SUPER SACH GSI!