Kultureller Anlass 2001

(von Reto Kälin)

Es wäre ja gelacht, in einem Bericht, der notta bene über ein Jahr nach Stattfinden des Events geschrieben wurde, alles in einem äusserst unattraktiven, langweiligen chronologisch abhandelnden Schnschnschn wiederzugeben. Da muss etwas mehr Substanz mit rein, da kann sogar einmal ein Bogen zu einem gesamtschweizerischen Anlass geschlagen werden.

So hat sich der Verfasser dieses Berichts dazu entschieden, die Würdigung des Erlebnis "kultureller Anlass der Bärner Chiubigigle" vom 6. Oktober 2001 in einen Kontext zur endlich zu Ende gegangenen Expo zu stellen.

Nun darf ich die Hauptfiguren dieser Expo-Kurzstory vorstellen: Sandro Longoni (Mr. Nelly Wenger ), Stefan Michel (Umweltschutz-Beauftragter), Daniel Stamm (seines Zeichens Netzmeister und Mr. Promotion), Bruno Streit (Mr. Cool, BackOffice), Simon Beer (Journalist und Redaktor des Trend-Magazins "dr Chiubigigu"), Roberto Longoni (weltweit bekannter Feuerläufer mit Übernamen Spanferkel), Hanspeter-Allemann (wurde inzwischen nach Australien verschleppt), Dänel Streit (Bodyguard), Peter Streit (dunkelhäutiger grossgewachsener Südamerikaner), Reto Kälin (der Träumer…).


Der Event-Verantwortliche: Mr. Nelly Wenger

Es begann schon früh morgens. Nicht wie während der Expo begann der Tag mit dem Zusammensuchen des heute gültigen Fahrplans aufgrund der nicht gerade billigen Telefonauskunft (charmante Stimme) im Zusammenhang mit den Farben rot, grün und gelb. In unserer Einladung (damit glänzte die Leitung bereits im Vorfeld des Anlasses - das Drehbuch wurde jedem sorgfältig auserwählten Teilnehmer vorgängig auf CD mit einer PowerPoint-Show illustriert per Post zugestellt) war die Abfahrt ganz klar festgelegt und trotzdem hatte unser Tagesziel etwas mit einer Farbe zu tun: blau! So verliessen wir um Punkt 08:10 den Bahnhof Bern. Die durstige Meute verwandelte den Zug der SBB bald einmal in einen Sonderzug mit besonderer Stimmung und die Fahrt - sie dauerte etwas länger als die Rundreise in den Migros-Wägeli, anstehen musste man dafür keine Minute - wurde auf alle Fälle amüsant. Das Umsteigen auf das nächste Transportmittel in der Expo-Stadt Neuenburg erlaubte uns, Nachschub in flüssiger Form mit hohem Malzanteil zu erwerben.

Weiter gings dann nicht mit dem Iris-Schnellboot, sondern mit dem Regionalzug der SBB durch die wunderschöne Jura-Landschaft. Und dann war es endlich geschafft: Ankunft auf der ersten Arte-Plage in La Presta: Les Mines d'Asphaltes. Hier wurden wir nicht von einer schrilltönenden Computerstimme oder einem perfid flimmernden Monitor begrüsst; nein, sofort wurde der Berner Trupp von einer charmanten Hostesse persönlich in Empfang genommen: Bonjour Mesdames et Messieurs, on vous souhaite la bienvenue ice à La Presta.

Was hett die gseitt?!" oder "Cha die ke Dütsch?" "Läck, hei sie ke Schöneri gfunge dahinge?" erklang dann postwendend aus den ersten bereits gut geölten Stadtberner Mundwerken.

Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch gelassen und freundlich, die Ambiance einladend. Und bereits machten sich die Strapazen der intensiven Reise ans andere Ende der Welt (so muss es wohl auch den Tessiner- und Ostschweizerkollegen bei der Anreise an die Expo ergangen sein) bemerkbar. Beim Aussteigen aus dem Zug hatte ein Mitglied der BCG's wohl darangedacht, die einzige weibliche Begleiterin, die kühle Blonde, beim Verlassen des Zuges mitzunehmen, überliess jedoch seinen Rucksack dem Schicksal des sich der Grenze nähernden Zuges der Schweizerischen Bundesbahn. Doch zum Glück konnten auf der Arteplage rechtzeitig die notwendigen Telekommunikations-Mittel installiert werden und die Verbindung zu der SBB-Zentrale wurde rasch hergestellt. Diese organisierte dann blitzartig und mit der amüsanten, in einer solchen Situation aber auch nervenaufreibenden Dynamik eines westschweizer Kantons, die begleitete Ausschaffung des Rucksacks aus dem Kanton Waadt in den Kanton Neuenburg zurück, wo er dann an die Beamten übergeben wurde. Aber zurück zu der charmanten Hostesse….diese rüstete uns dann sofort mit wunderschön leuchtgelben Zivilschutzhelmen aus.

Dem Einstieg in das innere des Berges stand nichts mehr im Wege -oder doch?! Klar, das erste offizielle Apéro stand an. Entgegen jeglichem Programm wurde spontan zum Prosten aufgerufen - da konnte keiner widerstehen. Doch dann gings los! Auf dem Rundgang wurden wir dann um 11:05 der einheimischen Grubenkatze vorgestellt. Verständlich war die Enttäuschung einiger "Pavillon-Besucher". Dafür blieb aber keine Zeit…wir wurden mit reichlich Informationen berieselt, die jedoch nicht mehr von allen wirklich aufgenommen wurden. Hier deshalb das Wichtigste noch einmal in Kürze:

Doch diese Facts konnten einen Grossteil der Anhängerschaft nicht mehr richtig interessieren. Lieber wurden hochbrisante Themen betr. fraglicher Frauenauswahl beim samtstagnächtlichen Spät-Spaziergang durch die dunklen Gassen der Berner Innenstadt behandelt, oder über Synonyms wie "Siedefüessler" oder "Im-stolle-püetzer-u-derbii-füecht-wärder" (für den Ausdruck eines sexualtrieblich andersgesteuerten Mannes stehend) diskutiert.

Gleich neben dem Eingang der Mine konnten wir dann pünktlich um zwölf Uhr (ohne Wartezeiten!!) unser Mittagsmahl einnehmen. Nein, nicht Junk-Food oder Business Lunchs zu völlig überrissenen Preisen, sondern bodenständige nach alter Tradition zubereitete Kost! Schinken in Asphalt gekocht mit Kartoffelgratin und Salat. Von entspannter Stimmung nach dem Essen war dann nicht mehr die Rede.

Die bereits während des Essens unterschwellig und subtil angebrachte Bemerkungen einer anderen Besuchergruppe konnten die temperamentvollen Gemüter der Berner Jungmänner regelrecht erhitzen und schon bald artete das Wortgefecht in angreifende und manchmal bereits schon unter-der-gürtellinie-treffer-würdigen Sprechchöre aus. Doch die Chiubigigle, friedliebend und sich nicht provozieren lassend, zogen schon bald von dannen und demonstrierten eindrücklich Männerstolz. Das Gelände der ersten Arte-de-Plage war um 13:30 zum grössten Teil besichtigt und so wurde mit dem Inter-Arte-de-Plage-Zug nach Môtiers verschoben. Die Reise ganz im Zeichen des Erlebnisses und des Verbunden-Seins mit dem Element Eisen in Form einer Schiene das zum besseren Verständnis einer nicht nachvollziehbaren Identifikation dienenden Darstellung eines Lokomotivführers stand im Vordergrund. Der Tross nutzte die Zeit, um noch einmal gehörig zu tanken…

...dies war auch wichtig, denn das auf der nächsten Arte-de-Plage präsentierte Gut namens Grands Vins Mousseux ist grundsätzlich nicht zum Massenkonsum in Litermengen gedacht, sondern zum geniessen in edlem Rahmen. Doch dass die Berner Chiubigigle Grundsätze brechen können, hat man an diesem Beispiel bestens gesehen. Und so floss auch das spumante Edeltröpfchen bald in rauhen Mengen und aus der stilvollen Ambience wurde schon bald Festzeltstimmung.

Auch auf dem Gelände der Weinfirma Mauler & Cie. wurden wir von charmanten Expo-Begleiterinnen über die Idee und Geschichte des Pavillons informiert:

Zusammenfassend kann gesagt werde, dass nach langem Verweilen in den uralten tiefen Gewölben und sorgfältigster Kostung in unserem Kopf die Essenz der Ewigkeit zu pulsten begann - ein exquisites Bouquet, das Herz und Sinn betört, hatte sich geöffnet…

Und so ging es dann auch schon bald nach der Verkostung auf die Rückreise in die Hauptstadt. Das Zugsabteil konnte definitiv nicht als "Empire of Silence" bezeichnet werden. Auch der verwahrloste Rucksack fand in Neuenburg wieder zu seinem Besitzer zurück. Und trotz kürzester Umsteigezeit suchten und fanden dann einige die Möglichkeit, Nachschub des Chiubigigus Lebenselixiers BIER zu erwerben. Pünktlich gemäss Drehbuch traf der "Train Iris" in Bern ein.

Und was macht ein Bär, wenn er nach einem solch langen Tag nach Hause kommt? Er legt sich schlafen. Und wo tut er das? Genau richtig! Im Bärengraben. Und so bewegte sich der Tross über die holprigen Pflastersteine stadtabwärts. Doch was wäre ein Nickerchen ohne vorher den Bärenhunger gestillt zu haben?

Die Fütterung fand in dem vom Tramdepot zum Esssaal umfunktionierten Lokal statt. Und anschliessend gingen die Bären noch tanzen……bis spät in die Nacht hinein…..und einige tanzen vielleicht heute noch….ich lag auf jeden Fall plötzlich bärenmüde zu Hause im Bett.…und am nächsten Morgen fragte ich mich: "War ich nun nicht doch an der Expo?"


Die Tanzbären!!!

Nachwort:
Der Organisation kann - im Gegensatz zum "Exekutionskomitee" der Expo - ein grosses Kompliment gemacht werden. Preis/Leistung, Balance zwischen Funfaktor und Kultur, chiubigigunahes Rahmenprogramm, professionelle Planung sowie exzellente Betreuung während des Tages bis hin zum Debriefing in den frühen Morgenstunden hat nun einfach wirklich alles ausnahmslos pannenfrei funktioniert. Bleibt da noch einmal der einzige Zwischenfall, der vergessene Rucksack eines Mitreisenden, zu erwähnen. Dies war jedoch nicht auf mangelnde Organisation, sondern viel mehr auf persönliches Unvermögen und eines Missachtens innerer Körpersprache gegen den Überkonsum von alkotoxischen Flüssigkeiten zurückzuführen.

Auch beim Abbau kam es zu keinerlei Problemen. Alles was es an diesem Tag zu "vernichten" war wurde alkologisch entsorgt und somit kam es zu keinen nennenswerten Zusammenstössen mit einer Öko-Kommission.


Der Umweltminister sichtlich zufrieden!

Die BCG's waren wie immer sauber, Versteigerungen oder vielleicht Diskussion über den Verkauf von Objekten gab es keine und alles ist noch in ursprünglichem Besitz. Die Nachhaltigkeit war riesig - davon kann anlässlich dieses Events bestimmt noch ein jeder erzählen, wenn er an die Nachhaltigkeit des darauffolgenden Sonntags denkt!

Gälänsch, 13.12.2002