(oder wie ich 2 Tage mit den Chiubigigle überlebte)
(von Michael Müller)
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Man solle gutes Schuhwerk und einen Schlafsack mitnehmen, es könne kalt werden. Es gibt bestimmte Wortkombinationen, welche bei den Überresten meines Grosshirns sofort auf Ablehnung stossen. "Schuhwerk" zusammen mit "Schlafsack" gehören eindeutig zu jener Sparte. Wanderschuhe?! Penntüte?! Niemals werde ich die Strapazen einer quälenden Klettertour und einer Übernachtung in irgendeinem verlotterten Ziegenstall auf mich nehmen! Mit mir nicht! Auf keinen Fall! Ich werde an dem Ausflug ganz bestimmt nicht teilnehmen!
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Tags darauf stand ich mit meinen Schoggischuhen sowie einem Ruck- und Schlafsack am Treffpunkt im Bahnhof Bern und wartete auf die restlichen Gigle, um das erste Apéro zur Brust zu nehmen und danach mit dem Zug gen Gsteig bei Gstaad zu fahren.
Ich glaube, wir stiegen dann noch irgendwo in den Panorama-Express um, der Wein im Panoramawagen war lecker, an die Aussicht kann ich mich nicht mehr erinnern. |
Um es vorwegzunehmen, der Ausflug ins Wallis war eine runde Sache! Schon kurz nach der Teileroberung eines Zugabteils stellten wir fest, dass sowohl unser Blick wie auch unser Geist noch viel zu klar waren; die erste Weinflasche wurde gekillt, die Stimmung erreichte so langsam einen messbaren Spasspegel.
Ab Gsteig, Weiterfahrt mit der Gondelbahn auf den Sanetsch. Nach einem weiteren, längst fälligen Apérohalt inkl. Fondue bei Jean-Maurice Luyet galt es dann ernst. |
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Wir marschierten los Richtung Sanetsch-Pass. Auf die Kuhjagd sowie die verschiedensten VBCG-Prüfungen möchte ich nicht näher eingehen, nur soviel sei gesagt: Es gab einige nasse Körperteile (glaubt mir, das Gletscherwasser dort oben ist wirklich verdammt kalt!).
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Als geübter Wanderer und Bergsteiger sollte es für mich eigentlich kein grosses Problem darstellen, die paar Höhenmeterchen hinter mich zu bringen, dachte ich; das mach ich doch mit links, dachte ich. Nach ca. drei Stunden überlegte ich mir, die letzen paar Meter zur Skihütte Praz-Rocher auf dem Zahnfleisch robbend zurückzulegen; wie ich wohl mein weiteres Leben mit amputierten Füssen gestalten wolle und wie lange man wohl auf eine Spenderlunge warten müsse... Das Gebräu mit dem ich den ganzen Abend lang meine Schmerzen betäubte, nennt sich "Blonde 25" und ich muss erwähnen, dass die Walliser zwar sehr guten Wein herstellen, aber beim Bier...naja, Geschmacksache... Ich staunte ab der Geschwindigkeit, mit der die Kollegen ihre Schwällus rollten, schmurgelten, rollten, schmurgelten, rollten... und es befremdete mich zudem doch ein wenig, dass sich ausgerechnet der einzige Walliser unserer Seilschaft spätabends und unbemerkt sehr diskret das mittägliche Fondue nochmals durch den Kopf gehen lassen musste...
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Als ich am nächsten Morgen aufwachte, stellte ich fest, dass es auf über 2000 Meter über Meer morgens noch recht frisch ist, und ich bereute ein wenig, dass ich meinen Schlafsack in Bern in einem Schliessfach zurückgelassen hatte. Aber zum Glück gab es in der Hütte ja Wolldecken, obwohl dies nicht alle so ganz mitbekommen haben. Nach einem mehr oder weniger ausgiebigen Morgenessen marschierten/rutschten/flogen/robbten wir gen St. Germain. Der Abstieg war doch eher steil und wir waren alle froh, dass wir alle gutes Schuhwerk anhatten... naja, fast alle.
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Nach einigen weiteren Apéro- und einem Essens-Stop erreichten wir dann mit Hilfe der posteigenen Verkehrsbetriebe St. Germain, wo wir im Weinkeller "La Tannerie" bei Jean-Claude drei, vier, fünf Flaschen köpften (wobei ich da leider erwähnen muss, dass mich einige Kollegen doch etwas enttäuschten, da sie schon nach dem dritten oder vierten Glas aufgaben; hier muss noch mal angesetzt und trainiert werden, Giele!).
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Auch die Rückfahrt mit den Bundesbahnen entpuppte sich dann noch als recht amüsant... allerdings habe ich bis heute noch nicht herausgefunden, ob der komische chinesische Alleinunterhalter, welcher die Strecke Sion-Lausanne mit seinen spassigen Gebärden und unterhaltsamen Sprüchen so angenehm und lustig gestaltete, von den Bundesbahnen angeheuert wurde, oder ob er einfach ein Blonde 25 zuviel gekippt hatte... ich werde es wohl nie erfahren. |